Erste urkundliche Erwähnung 1821
Wann genau die Freiwillige Feuerwehr von Stadtlengsfeld gegründet wurde, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen. Die älteste bekannte Erwähnung stammt aus dem Jahr 1821: Im Lehnbuch der Stadt findet sich ein Eintrag über ein Flurstück, auf dem ein Spritzenhaus stand – ein deutlicher Hinweis darauf, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits eine organisierte Brandbekämpfung in der Feldastadt gab.

Der große Stadtbrand 1878
Ein einschneidendes Ereignis in der Ortsgeschichte war der große Stadtbrand von 1878, bei dem rund ein Drittel von Stadtlengsfeld in Flammen aufging. Die örtlichen Feuerwehrleute erhielten damals Unterstützung aus der gesamten Region – sogar aus dem weit entfernten Schweina rückten Kameraden an. Die Zerstörungen waren verheerend: Die Einwohnerzahl, die 1817 noch bei fast 1.950 gelegen hatte, sank infolge des Brandes auf rund 1.200. Einen weiteren schweren Brand verzeichnet die Chronik für das Jahr 1967, als ein großer Teil des Porzellanwerkes den Flammen zum Opfer fiel.
Feuerwehr in der DDR und die Wende 1989
Während der DDR-Zeit übernahmen die Feuerwehrleute neben dem klassischen Brandschutz auch Aufgaben der sogenannten Zivilverteidigung – vergleichbar mit dem heutigen Katastrophenschutz. Regelmäßige Übungen gehörten damals wie heute zum Alltag der Wehr. Nach der friedlichen Revolution im Herbst 1989 und der Grenzöffnung veränderte sich die Lage grundlegend.

Der Verkehr auf den Rhöner Straßen nahm rasant zu, die Zahl der Verkehrsunfälle stieg drastisch an, und immer häufiger war technische Hilfeleistung gefragt. Gleichzeitig entstanden in dieser Zeit des Aufbruchs neue Verbindungen über die einstige Grenze hinweg: Die hessische Gemeinde Großenlüder hatte nach der Grenzöffnung nach einer Partnergemeinde in Thüringen gesucht – und Stadtlengsfeld erschien kurzerhand mit einer Abordnung des Stadtrates in Großenlüder. Dieser spontane Besuch war der Beginn einer Partnerschaft, die im September 1990 offiziell besiegelt wurde und die auch die Feuerwehren beider Orte bis heute eng verbindet.
1990 – Vereinsgründung und neue Rettungstechnik
Ebenfalls 1990, im Jahr der deutschen Wiedervereinigung, wurde der Feuerwehrverein Stadtlengsfeld e.V. gegründet. Von Anfang an unterstützte er die Einsatzabteilung finanziell und ideell, förderte die Nachwuchsarbeit und organisierte Veranstaltungen, die die Feuerwehr fest im Stadtleben verankern. Bis heute ist der Verein das gesellschaftliche Rückgrat der Wehr.
Noch im Dezember desselben Jahres wurde die Stadtlengsfelder Feuerwehr mit hydraulischer Schere und Spreizer ausgestattet – Geräte, mit denen eingeklemmte Unfallopfer aus Fahrzeugen befreit werden können. Die Kameraden bauten einen Barkas B 1000 zum Unfallhilfefahrzeug um und erhielten auf einem Schrottplatz eine kurze Einweisung in die Handhabung der neuen Technik. Dann ging es los.
Die Wehr der Feldastadt war damit eine der ersten in der Region, die über diese Rettungstechnik verfügte. In den ersten Jahren reichte das Einsatzgebiet von Dorndorf bis Kaltennordheim, 30 bis 40 Rettungseinsätze pro Jahr waren keine Seltenheit. Das bedeutete nicht nur einen enormen zeitlichen Aufwand, sondern war auch emotional belastend – besonders wenn es Todesopfer gab. Um nicht bei jedem Einsatz die Sirene auslösen zu müssen, schaffte die Wehr bereits Anfang der 1990er-Jahre Funkmeldeempfänger für die stille Alarmierung an. Mit der Zeit verkleinerte sich der Einsatzradius, da auch umliegende Feuerwehren nach und nach mit Rettungstechnik ausgestattet wurden.
Neuer Fuhrpark in den 1990er-Jahren
In den 1990er-Jahren modernisierte die Stadtlengsfelder Feuerwehr Schritt für Schritt ihren Fahrzeugbestand: 1994 kam ein Tragkraftspritzenfahrzeug Wasser, 1996 ein Einsatzleitwagen und 1998 ein Löschgruppenfahrzeug LF 8/6 hinzu.
2000 – Erste Löschgemeinschaft im Wartburgkreis
Ein Problem, das viele Freiwillige Feuerwehren im ländlichen Raum kennen, betrifft auch Stadtlengsfeld: Wochentags tagsüber arbeiten viele Kameraden auswärts, manche kommen nur am Wochenende nach Hause. Um die Einsatzbereitschaft dennoch zu sichern, schlossen sich die Wehren aus Stadtlengsfeld, Gehaus und Weilar im Jahr 2000 zur ersten Löschgemeinschaft im Wartburgkreis zusammen. Zwischen 7 und 16 Uhr werden seither grundsätzlich alle drei Wehren gemeinsam alarmiert – ein Modell, das sich von Anfang an bewährte.
2002 – Hochwasserhilfe in Sachsen
Als Sachsen im Sommer 2002 mit dem verheerenden Elbhochwasser kämpfte, eilten Kameraden der Löschgemeinschaft zur Hilfe: Gemeinsam mit der Partnerfeuerwehr aus dem hessischen Großenlüder waren sie rund eine Woche im Einsatz in Schmiedeberg.
2004 – Einzug ins neue Gerätehaus
2004 bezog die Feuerwehr ihr neues Gerätehaus im Gewerbepark. Es entstand durch den Umbau eines ehemaligen Porzellanwerk-Gebäudes aus dem Jahr 1880 – von der alten Bausubstanz ist nach der umfassenden Sanierung allerdings nichts mehr zu erkennen. Das Gerätehaus bietet Platz für Fahrzeuge, Ausrüstung und Technik und dient als Treffpunkt für die Einsatzabteilung, die Jugendfeuerwehr und den Feuerwehrverein.

2011 – Die Einsatzdokumentation geht online
Ab 2011 dokumentierte die Feuerwehr ihre Einsätze erstmals auf einer eigenen Website und machte ihre Arbeit damit für alle Bürgerinnen und Bürger öffentlich nachvollziehbar. Seither ist jeder Einsatz im Online-Archiv abrufbar.
2019 – Eingemeindung, neue Führungsstruktur und digitale Alarmierung
Auch die kommunalpolitische Landschaft veränderte sich: Zum Jahresende 2013 trat Stadtlengsfeld der Verwaltungsgemeinschaft Dermbach bei. Am 1. Januar 2019 folgte die Eingemeindung – Stadtlengsfeld wurde zusammen mit mehreren weiteren Gemeinden Teil der neuen Gemeinde Dermbach. Damit verlor die Feldastadt ihren eigenen Stadtrat und den hauptamtlichen Bürgermeister; an deren Stelle traten ein Ortsteilrat und ein ehrenamtlicher Ortsteilbürgermeister.
Für die Feuerwehr bedeutete die Eingemeindung eine grundlegende Veränderung der Strukturen: Elf Ortsteilfeuerwehren wurden unter einer gemeinsamen Führung zusammengefasst. Dass dabei der Stadtlengsfelder Kamerad Uwe Bohn als Ortsbrandmeister die Gesamtleitung der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Dermbach übernahm, unterstreicht die zentrale Rolle der Stadtlengsfelder Wehr. Auch sein 2. Stellvertreter, Torsten Leimbach – zugleich Wehrführer in Stadtlengsfeld – kommt aus den Reihen der Stützpunktfeuerwehr. Die Feuerwehr führt zugleich die Bezeichnung Stützpunktfeuerwehr Stadtlengsfeld und nimmt innerhalb der Gemeinde weiterhin ihren besonderen Aufgabenbereich wahr.
Im selben Jahr machte die Wehr einen weiteren wichtigen Schritt in der Alarmierungstechnik: Ein digitaler Alarmdispatcher wurde in Betrieb genommen. Er übermittelt bei einem Einsatz alle relevanten Informationen – Art und Ort des Geschehens, Straßenlagepläne und Hydrantenstandorte – direkt auf die Smartphones der Kameraden. Auf einem Monitor im Gerätehaus ist zudem sofort ersichtlich, wie viele Einsatzkräfte verfügbar sind und ob Verstärkung angefordert werden muss.
Zu diesem Zeitpunkt umfasste die Einsatzabteilung rund 18 Kameradinnen und Kameraden mit einem Durchschnittsalter von 39 Jahren. Alle 14 Tage stehen zwei Stunden Schulung im Gerätehaus auf dem Plan – insgesamt 40 Stunden pro Jahr sind laut Feuerwehrdienstvorschrift von jedem Kameraden aufzubringen, hinzu kommen spezielle Fortbildungslehrgänge und die Einsätze selbst.
Die Kinder- und Jugendabteilung zählte 19 Mitglieder im Alter von 6 bis 18 Jahren und verfügte über einen eigenen Schulungsraum im Gerätehaus. Neben dem regulären Dienst unternimmt die Jugendfeuerwehr jedes Jahr besondere Aktionen – vom Besuch der Leitstelle des Wartburgkreises über Kreiszeltlager bis zum 24-Stunden-Dienst, bei dem die Jugendlichen im Gerätehaus übernachten und simulierte Einsätze fahren wie bei einer Berufsfeuerwehr. Regelmäßig nimmt die Jugendfeuerwehr auch an Wettkämpfen auf Kreis- und Landesebene teil.
Der Feuerwehrverein Stadtlengsfeld e.V. hatte zu diesem Zeitpunkt 54 Mitglieder und unterstützte die Aktiven weiterhin bei der Beschaffung von Ausrüstung, der Jugendarbeit und der Organisation von Veranstaltungen.
2022 – Kommandowagen für die Gemeindewehrführung
Im Mai 2022 erhielt die Gemeinde Dermbach einen Kommandowagen vom Typ Suzuki Vitara mit Allradantrieb, der am Gerätehaus Stadtlengsfeld stationiert wurde. Das bei der Firma Markus Lenz in Schleusingen umgerüstete Fahrzeug dient dem Ortsbrandmeister als Einsatzfahrzeug und ermöglicht es der Gemeindewehrführung, bei größeren Einsatzlagen die flächenmäßig ausgedehnte Gemeinde schnell zu erreichen und die Einsatzstelle möglichst vor dem Eintreffen der Löschfahrzeuge zu erkunden. Dass das Führungsfahrzeug in Stadtlengsfeld stationiert ist, bestätigt einmal mehr die Rolle des Gerätehauses als zentraler Standort der Feuerwehrarbeit in der Gemeinde Dermbach

2025 – Neues Tanklöschfahrzeug und Blick in die Zukunft
Am 22. April 2025 erhielt die Stützpunktfeuerwehr bedeutende Verstärkung für ihren Fuhrpark: Landrat Dr. Michael Brodführer übergab ein neues Tanklöschfahrzeug TLF 3000 von IVECO Magirus mit permanentem Allradantrieb und einem 3.000-Liter-Wassertank. Das Fahrzeug kommt insbesondere bei Vegetationsbränden, technischen Hilfeleistungen und im erweiterten Katastrophenschutz zum Einsatz – angesichts zunehmender Trockenperioden und wachsender Waldbrandgefahr eine wichtige Investition in die Zukunft.

Die Kosten von rund 360.000 Euro wurden durch Mittel des Wartburgkreises sowie Fördergelder des Landes Thüringen in Höhe von 115.000 Euro finanziert. Zur feierlichen Übergabe kamen neben den Ortsteilfeuerwehren der Gemeinde Dermbach auch Vertreter der Partnerfeuerwehr aus Großenlüder – eine Verbindung, die seit vielen Jahren Bestand hat.
2026 – Kontinuität in der Führung
Am 14. März 2026 fand in der Schlosshalle Dermbach erstmals seit dem Zusammenschluss 2019 eine gemeinsame Jahreshauptversammlung aller Ortsteilfeuerwehren statt. Bei den Neuwahlen wurden die Stadtlengsfelder Kameraden Uwe Bohn als Gemeindebrandmeister und Torsten Leimbach als 2. stellvertretender Gemeindebrandmeister für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt. Die Bezeichnung Gemeindebrandmeister löste dabei Ende 2024 den bisherigen Titel Ortsbrandmeister ab.
Über 200 Jahre im Dienst der Gemeinschaft
So bleibt die Stützpunktfeuerwehr Stadtlengsfeld auch im 21. Jahrhundert das, was sie seit über 200 Jahren ist: ein unverzichtbarer Teil von Stadtlengsfeld und nun auch der Gemeinde Dermbach – einsatzbereit, engagiert und fest verwurzelt im Leben der Menschen vor Ort.
